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Wehrda

1303 Erstnennung

Anzahl hist. Gebäude: 38
Redaktionell bearbeitet: 10
Anzahl hist. Objekte: 7
Anzahl Einwohner (2023): 641


(2023)

Wehrda liegt am südlichsten Zipfel des Kreises Hersfeld-Rotenburg.

Die Subrosionssenke, in der Wehrda liegt, entstand durch das Einsinken unterirdischer Hohlräume. Nach der Aussage der Fachleute ist die Entstehungsgeschichte noch nicht abgeschlossen. Die Ausbildung eines kleinen Niedermoores begann vor etwa 5000 Jahren. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde das sumpfige Tal durch Dränungen trockengelegt, das Moor bis auf einen kleinen Rest zurückgedrängt, das heute unter Naturschutz steht.

Die erste urkundliche Erwähnung war 1303, als das Schloss Wehrda und das Amt Neukirchen an Hartrat von Trubenbach (später Trümbach) verpfändet wurde.

Bis 1308 war Wehrda Eigentum des Fuldischen Stiftes. Wo dieses „Castrum wehrdowe“ lag, ist unklar. Vielleicht handelt es sich dabei um Alt-Wehrda, dessen Reste heute die „Alte Mauer“ genannt werden und das mit Schloss Trübenbach sicher identisch ist.

Nach Art des Mauerwerkes dürfte die Bauzeit von Alt-Wehrda am Ende des 13. Jahrhunderts liegen. Das Schloss war vermutlich ein Wasserschloss. Graben, bzw. Teich und Damm sind noch deutlich zu erkennen.

Da Wehrda im 15. Jahrhundert Zufluchtsort auch für die Bürger Neukirchens war, muss der heutige Dorfkern von größeren Burganlagen bebaut gewesen sein. Als Gegenleistung für diesen Schutz waren alle Dörfer des Haunegrundes zum Burgfriedensdienst nach Wehrd a verpflichtet.

Seit 1710 war Wehrda Sitz eines ritterschaftlichen Patrimonialgerichts mit den Dörfern Rhina, Schletzenrod, Wetzlos und Kleinmoor. Die Geschichte von Wetzlos ist also mit der Geschichte Wehrdas eng verbunden. 1802 kam die Herrschaft Wehrda an den Prinzen von Oranien, Erbstadthalter der Niederlande.

Napoleon veränderte die Landkarte 1806. Die „Provence de Fulda“ unterstand nun König Jeròme. 1816 wurde Fulda und damit auch Wehrda dem Großherzogtum Frankfurt, 1813 einem ungarisch/ österreichischen K und K- Gouvernement, 1815 Preußen und schließlich 1816 Kurhessen zugewiesen. 1821 wurde die Herrschaft Wehrda dem neuen Kreis Hünfeld angeschlossen.

1866 wurde das Justizamt Burghaun, dem auch Wehrda und Langenschwarz angehörten, preußisch, 1945 hessisch.

Zu Wehrda gehört neben dem „Roten Schloss“ und „Gelben Schloss“ auch das Schloss Hohenwehrda, durch von Kleidorff 1901 erbaut, mit nachgeahmten Renaissanceformen, heute Internat der Hermann-Lietz-Schule mit Realschule und Gymnasium (Mittelstufe).

Postkarte von 1910:

Die ehemalige Schule wurde von 1988-1990 im Rahmen der Dorferneuerung als Dorfgemeinschaftshaus umgebaut.

 

Quelle des folgenden Textes: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland

Unter den Adelsgeschlechtern, die ihre Grenzlage zwischen den beiden Reichsabteien Fulda und Hersfeld zu behaupten versuchten, erscheint seit 1184 die Familie von Trümbach, deren gleichnamige Hügelburg nördlich von Wehrda (später Hohenwehrda genannt) seit dem 15. Jh. als fuldisches Lehen bezeugt ist.

Ihre politischen Ambitionen verlagerten sie jedoch nach Wehrda hinein, wo ihnen Fulda 1308 das „feste Haus Werdowe“ mit dem Gericht Neukirchen verpfändet hatte. Da die Einzelanteile an der umfangreichen, bis auf geringe Reste verschwundenen Burg häufig ihre Besitzer wechselten, blieb die Selbständigkeit, in die Fulda gern hineingriff, ständig umstritten.

Ein ehemaliger Wehrfriedhof um die Kirche zeugte von diesen unruhigen Zeiten. Die evangelische Pfarrkirche mit ihrem wehrhaften Chorturm, das benachbarte Pfarrhaus von 1688, die Gerichtsstätte, sowie das Rote und das Gelbe Schloß bilden die historisch und kunsthistorisch wichtigsten Objekte der Gesamtanlage, die aus geschichtlichen, insbesondere auch aus ortsgeschichtlichen Gründen für Wehrda ausgewiesen wurde.


Auswahl der historischen Sehenswürdigkeiten nach historischen Zeiträumen: